Im Mai 2026 endet das Projekt „Kochen kann jede:r“ der foodsharing Akademie und wir blicken gemeinsam zurück auf zweijährige Projektlaufzeit. Seit Januar 2025 haben wir in Berlin, Freiburg und Siegen Menschen zusammengebracht, gekocht, gegessen und vieles dazugelernt.

Klimawandel, der Erhalt der Biodiversität und der Umgang mit Umweltauswirkungen sind globale Herausforderungen, die einen grundlegenden Wandel erfordern, auch in unserem Ernährungssystem. Allein in Deutschland landen jährlich rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. Die Folgen gehen weit über hohe Abfallmengen hinaus. Der sorglose Umgang mit Lebensmitteln treibt den CO₂-Ausstoß in die Höhe und befeuert damit direkt die Klimakrise. Gleichzeitig sind Millionen Menschen in Deutschland von Ernährungsunsicherheit und Armut betroffen. Im Jahr 2024 galten rund 17 Millionen Menschen, fast 21 Prozent der Bevölkerung, als armutsgefährdet. Besonders betroffen sind Alleinerziehende, Rentner:innen, Menschen mit Migrationsgeschichte, Beschäftigte im Niedriglohnsektor sowie Familien mit mehr als zwei Kindern. Für viele von ihnen ist der Zugang zu gesunden Lebensmitteln eingeschränkt, das Wissen über ausgewogene Ernährung oft nicht vorhanden.
Ein nachhaltiger Umgang mit Lebensmitteln, bewusste Essensplanung und kreative Resteverwertung sind dabei keine Luxusthemen. Sie sind ein erster, konkreter Schritt in Richtung eines gerechteren und klimafreundlicheren Ernährungssystems. Genau hier setzte „Kochen kann jede:r“ an.

Was wir uns vorgenommen hatten
In insgesamt 36 Kochworkshops sollte in drei foodsharing Bezirken (Berlin, Freiburg und Siegen) der Frage nachgegangen und erprobt werden, wie sich vielfältiges und nachhaltiges Kochen mit einfachen Zutaten und kleinem Budget verbinden lässt. In kostenlosen Workshops sollen Lebensmittel verarbeitet werden, die vor der Tonne gerettet wurden und die auch viele Menschen aus Lebensmittelausgabestellen kennen. Außerdem wollten wir sowohl für nachhaltige und gesunde Ernährung sensibilisieren als auch Gemeinschaft durch die Workshops stärken.
Was wirklich passiert ist
Über 500 Personen haben zwischen Januar 2025 und März 2026 an den Workshops teilgenommen. Die Rückmeldungen waren mehrheitlich positiv. Besonders hervorgehoben wurden die angenehme Atmosphäre, die Praxisnähe und der Austausch mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebenssituationen.
Ein zentraler Lernerfolg war die Vermittlung konkreter Strategien zur Reduktion von Lebensmittelverschwendung: Haltbarmachen, Einfrieren, kreative Verwertung von Gemüseresten.
Was bleibt, ist vor allem das Gemeinschaftsgefühl. Die Workshops haben gezeigt, dass gemeinsames Kochen verbindet, unabhängig von Herkunft, Einkommen oder Kocherfahrung.


Was wir mitnehmen
In den drei foodsharing Bezirken haben wir Erfahrungen unterschiedlichster Art gesammelt und viel gelernt. All dies fließt in unsere Handreichung ein, die das erprobte Konzept für andere foodsharing-Bezirke und externe Initiativen zugänglich macht – anpassbar an regionale Gegebenheiten, Zielgruppen und Kooperationsstrukturen. In Kürze wird die Handreichung in der Materialsammlung der Akademie und auf der Projektwebsite öffentlich zur Verfügung stehen.
Kein Ende, sondern eine Einladung
„Kochen kann jede:r“ versteht sich nicht als abgeschlossenes Projekt, sondern als Einladung: zum Mitmachen, Weiterdenken und Weitertragen. Langfristig geht es nicht darum, einzelne Workshops durchzuführen, sondern nachhaltige Strukturen zu etablieren für ein gerechteres, klimafreundlicheres und solidarischeres Ernährungssystem.
Und eines hat dieses Projekt vor allem bewiesen: Kochen kann wirklich jede:r.

