Mit knapp 100 Teilnehmenden war der erste Teil unseres Webinars zur Gewaltfreien Kommunikation (GFK) ein voller Erfolg. Der Fokus lag auf den theoretischen Grundlagen und darauf, eine gemeinsame Haltung für wertschätzende Kommunikation im foodsharing-Alltag zu entwickeln. Geleitet wurde das Webinar von Olivia Twrdy, Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation und Transformationsbegleiterin, die selbst als Foodsaverin aktiv ist.
Zum Einstieg gab es einen Moment der Stille: ankommen, in sich hineinspüren und sich fragen „Wie bin ich hier? Was brauche ich gerade?“ Dies ist ein wichtiger erster Schritt, denn GFK beginnt bei der eigenen Wahrnehmung.
Die Methode wurde von Marshall Rosenberg entwickelt und verfolgt ein klares Ziel: nicht einfach Recht zu bekommen, sondern echte Verbindung zwischen Menschen herzustellen. Daraus entstehen oft mehr Kooperation und kreative Lösungen. Eine zentrale Haltung dabei: Ich bin ok – und du bist ok. Außerdem gilt: Hinter jedem Verhalten steht ein (positives) Bedürfnis.
Im Webinar haben wir die drei Grundprozesse kennengelernt:
• Selbsteinfühlung
• ehrlicher Selbstausdruck
• Einfühlung für andere
Herzstück der GFK sind dabei Gefühle und Bedürfnisse, die uns helfen, Verhalten besser zu verstehen.
Ein konkretes Beispiel aus dem foodsharing-Alltag machte die Theorie greifbar: Eine Person erscheint ohne Kühlakkus zur Abholung. Statt vorschnell zu bewerten, lädt die GFK zu vier Schritten ein:
1. Beobachtung („Du hast keine Kühlakkus dabei.“)
2. Gefühl („Ich bin besorgt.“)
3. Bedürfnis („Mir ist wichtig, dass Lebensmittel sicher verteilt werden.“)
4. Bitte („Kannst du künftig Kühlakkus mitbringen?“)
Spannend wurde es bei der Frage: Warum bringt die Person keine Kühlakkus mit?
Gemeinsam wurden mögliche Hintergründe gesammelt, von fehlender Ausstattung über praktische Hürden bis hin zum Wunsch nach Autonomie oder Ablehnung von Regeln. Das zeigt: Verhalten ergibt Sinn, wenn wir die Bedürfnisse dahinter verstehen.
Auch der Umgang mit Regeln wurde diskutiert. Wichtig dabei: Klarheit und Haltung verbinden. Es geht nicht darum, Schuld zuzuweisen, sondern eigene Bedürfnisse auszudrücken und gleichzeitig die der anderen Person im Blick zu behalten.
Zum Abschluss wurde deutlich: Bedürfnisse sind immer positiv – entscheidend ist, wie wir versuchen, sie zu erfüllen.
Der erste Teil hat damit eine wichtige Grundlage geschaffen. Im zweiten Teil geht es weiter mit eigenen Praxisbeispielen und Raum für Austausch.

Im zweiten Teil gab es für alle Teilnehmenden nochmal einen kurzen einleitenden Input zu Bedürfnissen im Sinne der GFK. Alle Menschen haben die gleichen Bedürfnisse (universell), sie dienen der Bereicherung des Lebens und machen das Leben reicher, schöner und vielfältiger (positiv) und sie sind weder an bestimmte Personen noch an bestimmte Handlungen gebunden (abstrakt).
In Kleingruppen konnten anschließend die Teilnehmenden in Paararbeit die Übung „Bedürfnisse finden“ durchführen. Dabei ging es darum, sich an eine Konfliktsituation, die ggf. noch nicht gelöst wurde, zu erinnern. Von der Schwierigkeit/Intensität sollte der Konflikt sich bei einer 3 auf einer Skala von 0-10 befinden – also z.B. keine tiefverwurzelten Familienkonflikte.
In Breakout-Sessions wurden Timer gestellt, sodass beide Personen je 5 Minuten Zeit hatten. Die Aufgabe war nun, dass Person A die Konfliktsituation schildert, während die Person B zuhört. Anschließend bietet Person B Bedürfnisse an und Person A fühlt rein, ob das angebotene Bedürfnis resoniert, passt und zutreffend ist. Person A antwortet mit Ja/Nein/Jein. Person B bietet weitere Bedürfnisse an, denn oftmals steckt mehr als ein Bedürfnis dahinter. Person B vergewissert sich schließlich, ob noch was Elementares offen ist und ggf. sagt Person A, worum es im Kern für sie geht. Nach fünf Minuten wechselten die Personen die Rollen.
Im Anschluss wurden im Plenum ein paar Beispiele geteilt und es war Platz für offene Fragen. Das Feedback am Ende der Veranstaltung war sehr positiv. Mit viel Offenheit, ehrlichem Austausch und neuen Perspektiven hat das Webinar gezeigt: Gewaltfreie Kommunikation kann den foodsharing-Alltag nicht nur entspannter, sondern auch verbindender gestalten.
Wir bedanken uns bei allen Teilnehmenden, die mitgemacht haben und ganz besonders bei Olivia, die zwei tolle Webinare gestaltet hat.
Dieses Projekt wird gefördert durch die Deutsche Fernsehlotterie/Deutsches Hilfswerk. Wir bedanken uns für die wertvolle Begleitung unseres Projekts.